Warum Hunde ihren Schwanz jagen – und wann es problematisch wird
Schwanzjagen beim Hund Schwanzjagen wirkt oft wie eine lustige Marotte, besonders bei Welpen. In vielen Fällen handelt es sich um normales Spielverhalten. Doch wenn ein Hund übermäßig oft oder zwanghaft seinen Schwanz jagt, kann das auf medizinische oder psychische Probleme hinweisen, die ernst genommen werden sollten.

Warum jagen Hunde ihren Schwanz?
Das Schwanzjagen beginnt häufig schon im Welpenalter. Junge Hunde entdecken ihren Körper und nutzen das Schwanzjagen als eine Form der Selbstbeschäftigung. Auch erwachsene Hunde können damit weitermachen – meist aus Langeweile oder um sich selbst zu beschäftigen. Schwanzjagen beim Hund
Mögliche medizinische Ursachen
Wenn ein Hund seinen Schwanz übermäßig jagt, daran leckt oder beißt, kann das auch auf körperliche Beschwerden hinweisen. Häufige Auslöser sind:
- Flöhe oder andere Parasiten
- Allergien oder Hautreizungen
- Durchfall oder Reizungen im Analbereich
- Probleme mit den Analdrüsen
- Würmer oder andere Darmparasiten
- Wirbelsäulenverletzungen oder Nervenprobleme
In solchen Fällen sollte der Hund unbedingt tierärztlich untersucht werden.
Zwanghaftes Schwanzjagen beim Hund
Wurden körperliche Ursachen ausgeschlossen, kann ein zwanghaftes Verhalten (Canine Compulsive Disorder) vorliegen – vergleichbar mit einer Zwangsstörung (OCD) beim Menschen. Hunde mit dieser Störung jagen oft mehrmals täglich ihren Schwanz und lassen sich dabei kaum ablenken.
Das kann zu Verletzungen führen, wie z. B.:
- Offene, blutige Stellen am Schwanz
- Zusammenstöße mit Möbeln beim Drehen
- Wunde Ballen durch ständiges Kreisen
Weitere typische Zwangshandlungen sind:
- „Fliegenschnappen“
- Übermäßiges Lecken von Gegenständen, sich selbst, dem Besitzer oder „in die Luft“
- „Trancing“ – langsames Gehen unter Objekten wie Vorhängen
Bestimmte Rassen wie Bullterrier oder Deutsche Schäferhunde neigen besonders zu solchen Verhaltensstörungen und zeigen sie häufig schon in jungen Jahren. Stress oder Veränderungen im Alltag können die Symptome verstärken.
Was hilft gegen das Schwanzjagen?
In leichten Fällen reicht es oft, den Alltag des Hundes abwechslungsreicher zu gestalten:
- Intelligentes Spielzeug wie Futterbälle oder Schnüffelmatten
- Gezielte Ablenkung durch Spiele oder Training
- Regelmäßige Bewegung und Spaziergänge
- Strukturierter Tagesablauf zur Stressvermeidung
Bleibt das Verhalten trotz dieser Maßnahmen bestehen, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
Tierärztliche Untersuchung und Behandlung
Zur Diagnose führt der Tierarzt verschiedene Untersuchungen durch:
- Neurologischer Check, um Rückenprobleme auszuschließen
- Hauttests, um Pilze, Bakterien oder Parasiten zu erkennen
- Kotuntersuchung, um Darmparasiten auszuschließen
- Bildgebung oder Überweisung, wenn ein Wirbelsäulenschaden vermutet wird
Wird ein Zwangsverhalten diagnostiziert, kommen verschiedene Behandlungsansätze infrage:
- SSRI-Medikamente wie Fluoxetin
- Beruhigungsmittel wie Acepromazin oder Trazodon
- Verhaltenstherapie und Stressmanagement im Alltag
Ein fester Tagesablauf, geistige Auslastung und die Vermeidung von Stressfaktoren helfen, die Symptome zu kontrollieren.

Fazit
Schwanzjagen ist bei Hunden meist harmlos – aber nicht immer. Wenn es überhandnimmt, sollte es tierärztlich abgeklärt werden. Mit der richtigen Behandlung kann deinem Hund schnell geholfen werden.
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Warum Hunde ihre Rute jagen: Ursachen & Tipps (FAQs)
Ist es normal, wenn mein Hund seinen eigenen Schwanz jagt?

Im Welpenalter ist dieses Verhalten oft Teil einer spielerischen Entdeckungsphase und völlig normal. Wenn ein ausgewachsener Hund dies jedoch regelmäßig, über einen längeren Zeitraum oder obsessiv tut, ist es kein lustiger „Tick“ mehr, sondern kann auf Stress, Langeweile oder eine ernsthafte Zwangsstörung hinweisen.
Welche psychischen Ursachen können hinter dem Schwanzjagen stecken?

Häufige Auslöser sind starker Stress, Frustration oder ausgeprägte Langeweile. Der Hund nutzt das Jagen der Rute dann als Ventil, um überschüssige Energie abzubauen oder mit einer Überforderungssituation (z. B. plötzliche Umstellungen im Alltag) umzugehen.
Kann das Schwanzjagen für meinen Hund gefährlich werden?

Ja, in extremen Fällen kann sich daraus eine Zwangsstörung entwickeln, bei der der Hund sich in einen regelrechten Wahn hineinsteigert. Dies kann dazu führen, dass er sich die eigene Rute blutig beißt oder bis zur völligen Erschöpfung im Kreis rennt, was die Lebensqualität stark beeinträchtigt.
Gibt es medizinische Gründe für dieses Verhalten?

Hinter dem Jagen können auch körperliche Beschwerden stecken. Dazu gehören Probleme mit den Analdrüsen (Verstopfung oder Entzündung), Parasitenbefall wie Flöhe, Hautallergien oder sogar neurologische Störungen, bei denen die Nerven falsche Signale senden.
Was sollte ich tun, wenn mein Hund nicht mit dem Jagen aufhört?

Wenn das Verhalten häufig auftritt und der Hund sich kaum davon ablenken lässt, sollten Sie professionelle Hilfe bei einem spezialisierten Tierarzt, Hundepsychologen oder Trainer suchen. Gemeinsam können die Ursachen analysiert und Lösungen – wie alternative Beschäftigungen oder in schweren Fällen Medikamente – erarbeitet werden.


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